H95 Raum für Kultur

SZENISCHES KONZERT Sirag – Ein Leuchten

Wael Elkholy – Soloperformance mit Oud, Stimme & Bühnenprojektionen

Freitag, 11. Dezember 2020, 20.30h

H95 Raum für Kultur, Türöffnung 19.30h, Eintritt frei – Kollekte

Mit seinen Wurzeln in Kairo sah sich der Oud-Spieler und Sänger Wael Sami Elkholy als Immigrant in der Schweiz unvermittelt einer völlig anderen Lebensweise, Kultur und Sprache gegenüber und musste sich mit seinem Gefühl des Entwurzeltseins auseinandersetzen. Seine Neugier für das ihm Fremde und seine Offenheit für Veränderung haben es ihm ermöglicht, im vorgefundenen Umfeld neue Wurzeln zu schlagen.

Sirag ist eine «musical performance», komponiert und performt von Wael Sami Elkholy. Zwischentexte, Konzept und Regie stammen von der Autorin und Regisseurin Nora Amin. Das Stück basiert auf dem vor kurzem erschienenen Album «Wurzeln», wo Elkholy mit verschiedenen Musikstilen experimentiert und die Gedichte bekannter Schweizer Autoren wie Raphael Urweider oder Pedro Lenz vertont. Die Musik, der Gesang und die abstrakten Projektionen entführen das Publikum in verschiedene Welten und Zeiten; versetzen die Zuhörer in ein transzendentes Gefühl.

Nora Amin, welche auch Regie führt, schuf Zwischentexte, welche die Stimmungen und Inhalte der Lieder verweben und neue Sichtweisen und Inspirationen eröffnen, Einblicke in fremdes und eigenes Ich. Elkholys musikalisches Werk wird damit zu einer einzigartigen lyrischen Erzählung.

Sirag vereinigt Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch und Arabisch), baut Brücken zwischen Kulturen und beschreibt das Menschsein in einer musikalischen Erzählung als universelle Form, in der persönliches Erleben und kollektive Erzählungen verschmelzen.

Eine Performance, welche den Prozess der Komposition als Reflexion und Selbstfindung darstellt und für das Publikum erlebbar macht. Gemeinsamkeit wird erschaffen durch Musik, Worte und Stimmungen im Licht einer multikulturellen Seelenverwandtschaft – vorgetragen von einem Solosänger dessen fremdartige Stimmfarbe zu fesseln vermag.

Wael Sami Elkholy
Komposition, Oud, Stimme
Nora Amin
Regie, Konzept, Skript
www.wael-sami.com

So wie ein Baum erst in einem Beziehungsgeflechts mit andern Organismen, etwa in Symbiose mit Pilzen, zu einem Teil des Waldes wird, vernetzt Wael Sami Elkholy seine Musik mit der lyrischen Sprache seiner FreundInnen und schafft in seinem Soloprogramm eine poetische Verbindung der beiden Welten – über kulturelle und musikalische Grenzen hinaus.

Über sein musikalisches Schaffen sagt er: «I’m not concerned to classify my work, and I don’t care about borders. I just leave my mind to breath.»

Biografien

Wael Sami Elkholy

Wael Sami Elkholy, *1976 in Dubai, aufgewachsen in Kairo, Schweizer seit 2018, absolvierte seine Ausbildung als Sänger am Complete vocal institute in Copenhagen und in Zürich mit Abschluss im Jahr 2016. 2014 erhielt er das Certificate of Advanced Studies in Creative Management der Hochschule der Künste Bern. 2012 schloss er dort ein Masterstudium in Komposition für Théâtre Musical und Forschung ab ( 2012) und liess sich bei Franziska Baumann in Stimmtechnik unterrichten. Für seine Masterthesis schrieb er ein Musiktheater über das Thema des Schleiers in einem interkulturellen Kontext. Bereits 2010 hatte er ebenfalls in Bern einen Masterstudiengang in klassischer Komposition, Jazz und Medienkunst abgeschlossen; auch in dieser Masterthesis («Der Kreis») waren interkulturelle Einflüsse in der traditionellen und zeitgenössischen Komposition seine Hauptthemen.

Vor seiner Ausbildung in der Schweiz und diversen Masterklassen in der Schweiz (Klaus Huber 2009), in Deutschland (Walter Zimmermann), in den USA (Marcelo Toledo) und in Kairo (Amr Okba 2006) studierte er klassische arabische Musik an der Kunstakademie in Kairo, mit Spezialisierung auf Oud und Musiktheorie. In Kairo studierte er bei angesehenen ägyptischen MusikerInnen wie Ateya Sharara, Michael Al-Masry, Dr. Rageh Daoud, Dr. Mohamed Abdel Wahab Abdel Fattah, George Michel (Oud), Hussein Saber (Oud) und Sänger*innen wie Ratiba Elhefny, Violet Maqar und Mohsen Farouq. Von 1998 bis 2002 arbeitete er als Sänger am Opernhaus in Kairo.

www.wael-sami.com

Nora Amin

Schriftstellerin, Performerin, Choreografin, Theaterregisseurin und Pädagogin. Mitglied des Zentrums für das Theater der Unterdrückten (Rio de Janeiro, 2003). Alumni des Vilar Institute for Arts Management/The John F. Kennedy for the Performing Arts (USA, 2004), Kulturelle Führung in den Darstellenden Künsten (British Council, 2009), Diplom für Clore Leadership (Großbritannien, 2009), S. Fischer Gastprofessorin am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (FU, 2004-2005), Gastdozentin (Schauspiel) an der Theaterabteilung des Mount Holyoke College (USA, 2005), Gründerin von “The National Egyptian Project for Theatre of the Oppressed” und dessen arabischem Netzwerk (2011 bis heute), ehemalige Stipendiatin der Akademie der Künste der Welt (Köln, 2015), ehemalige Stipendiatin des Internationalen Forschungszentrums für verwobene Performancekulturen (FU, 2015-2016 und 2017): Thema “Theater und politische Transformation”), Valeska-Gert Gastprofessorin für Tanzwissenschaft (FU, Sommersemester 2018: Thema “Performing Trauma”).

Als Schriftstellerin veröffentlichte sie vier Bände mit Kurzgeschichten und vier Romane sowie ein Hörbuch mit Gedichten. Im Jahr 2000 gründete sie in Kairo die Unabhängige Theatergruppe Lamusica, um mit neuen Formen des körperlichen Ausdrucks zu experimentieren und den unausgesprochenen Themen der Frauen und der soziokulturellen Unterdrückung Gehör zu verschaffen. Sie führte Regie und produzierte 40 Theater-, Tanz- und Musikproduktionen, bevor sie 2015 nach Berlin zog. Ihre Arbeit ist zwischen den Bereichen Literatur, Theater/Tanz und Feminismus angesiedelt und wird durch einen gesellschaftspolitischen Aktivismus verbunden, bei dem die Künstlerin die Rolle einer Rebellin gegen die Traditionen des Patriarchats, der Autorität, des Sexismus und des Rassismus einnimmt. Ihre wichtigsten Werke sind das erste Buch über Menschenrechte und Theater: “The Art of Claiming our Right”, und ein methodisches Buch über das Erzählen von Geschichten als Medium der Traumaheilung, “Theatre and Change: from the internal to the external” (inspiriert durch einen Workshop mit sudanesischen Bürgerkriegsüberlebenden). Ihre jüngste Veröffentlichung ist “Migrating the Feminine”, ein Essay über die Überschreitungen weiblicher Körperlichkeit im öffentlichen Raum, der 2016 in englischer und arabischer Sprache und 2018 in deutscher Sprache beim MSB Mattes&Seitz in Berlin erschienen ist. Ihr nächstes Buch ist Tanz der Verfolgten (MSB Matthes & Seitz,2020), über die Geschichte des ägyptischen Baladi-Tanzes aus einer feministischen Perspektive, die das Patriarchat mit Kolonialität und Rassismus verbindet.